Forumteilnehmer 06.09.2010 19:06
Hallo liebe Kollegen, wie ist die Skoliose in der TCM zu diskutieren? Es ist zur Zeit eine 11-jährige Patientin mit unauffälliger Zunge und unauffälligem Puls, aber sehr zierlich, mit sehr heller Haut. Ich gehe dabei von einem Xue-Mangel und einer Ni-Yang-Schwäche aus und behandle mit Ingwer-Moxa auf Du 20,14,4-Bl23 und Ni7,Le8, Ernährungstherapie, Kräutertherapie und Tuina. Welche Erfahrungen habt Ihr bei der Behandlung dieses Krankheisbildes gemacht? Danke wie immer an Euch und für Euer Interesse- Kira Schwarzrock
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Forumteilnehmer 07.09.2010 11:45
Hallo Frau Schwarzrock,
bei kleinen zarte Kindern sehe auch meist einen Jing Mangel, also vorbeburtliche Lebens (Nieren-Essenz) worauf die Wirbelsäulenverbiegung ja auch hinweist, da die Knochen in die Wandlungsphase Wasser und somit zu den Nieren gehören. Die Wirbelsäule an sich kann aber auch der Wandlungsphase Holz zugeordnet werden, sie ist wie der Stamm eines Baumes, der den Baum trägt und ihm Halt verleiht.
Die nachgeburtliche Lebensessenz zu ergänzen, die durch Nahrung aufgenommen wird, ist bei den zarten schwachen Kindern oft ein Problem, da diese zu allem Übel meist auch schlecht essen. Die vorgeburtliche Lebensessenz können wir ja nicht beeinflussen, da diese von den Eltern vererbt wird und angeboren ist, also muss es über die nachgeburtliche in Form von Nahrung geschehen.
Die Knochen gehören ins Wasser-Element, hier geht es also auch um Beziehung, Gefühle und Liebe. Kinder drücken oft die Probleme aus, die ihre Eltern nicht zeigen können, sie fungieren als Katalysator und wandeln die Probleme um und drücken sie stellvertretend für die Eltern aus. Natürlich leidet das Kind auch unter den Problemen die die Eltern haben, aber so ein kleiner Mensch ist eher noch rein und unverbogen, bis einer kommt, der ihn verbiegt, beim Versuch ihn zu erziehen. Man wird dann verzogen im wahrsten Sinne des Wortes und wächst schief.
Die Wirbelsäule kann der Wandlungsphase Holz zugerechnet werden. Der Stamm des kleinen Bäumchens wächst schief, da er zu sehr in eine bestimmte Richtung gedrängt wird und nicht seiner eigenen Wuchsrichtung folgen darf, oder nicht genug Wasser (Gefühle, Zuneigung, Liebe) erhält.
Das sind nun alles Vermutungen, was wirklich dahinter steckt, muss natürlich durch Beobachtung und Befragung der Eltern geklärt werden. Am besten man hat sie alle beide mal in der Praxis, lässt das Kind frei spielen und guckt wie die Eltern auf das Kind reagieren. Das bringt sehr interessante Erkenntnisse, selbst bei scheinbar kleinen Dingen wie Bindehautentzüdung.
Grade während ich diese Zeilen schreibe donnert im Treppenhaus ein Kleinkind gegen meine Tür und die Eltern lachen nur lieblich und stolz darüber, ansatt dem Kind zu sagen, dass es das nicht machen soll. Eine wunderbare Anschauung, wie man Kinder auch verziehen kann, indem man zu wenig Grenzen setzt und alles entschuldigt, mit den Worten: es ist doch noch ein Kind.
In der Beobachtung von Kindern in Gegenwart ihrer Eltern, lernt man eine Menge über die Eltern und deren Disharmonien.
Die Nierenpunkte moxen ist wunderbar, es sei denn das Kind ist extrem schwach und ausgetrocknet. Die Nahrung sollte dem Kind schmecken, Hühnchen ist natürlich gut und zum Glück auch ein Lieblingsessen von Kindern und natürlich Fisch, wegen Wandlungsphase Wasser.
Das Kind sollte seine Kreativität frei entfalten können und nicht soviel Angst (Wasser) gemacht bekommen.. Da es zart ist sind die Eltern bestimmt überbesorgt und überbehüten es. Es muss rumtoben können und malen und singen und tanzen, Ball spielen und draußen sein. Es muss wachsen (Holz) können, ohne dauern in eine Richtung geleitet zu werden.
Ich hatte auch einen Fall von Skoliose im Bekanntenkreis. Die Mutter des Kindes war extrem dominant. Sie hatte eine starke Disharmonie im Metall, sie wollte alles kontrollieren. Das Kind hatte neben der Skoliose ständig Nierenbecken-Entzündung, Blasen-Entzündung und Hautprobleme.
Das Metall ist die Mutter des Wassers. Wenn die Mutter zu stark ist, dann wird das Kind nicht mehr genährt sondern erdrückt. Zuviel Metall im Wasser macht es schwer und vergiftet es, es kann nicht mehr frei fließen.
Metall kontrolliert Holz. Im Ke-Zyklus ist das normal und sinnvoll. Wenn die Kontrolle aber zu stark wird, dann geht es in den Cheng-Zyklus über und die kontrollierte Phase wird pathologisch unterdrückt und geschwächt.
Ich sehe es durchaus so, dass das Metall der realen Mutter, das Holz des Kindes unterdrücken kann. Leider ist das oft ein schwieriges Problem, wenn dominante Mütter ihre Persönlichkeit und ihr Sein über das Kind definieren, das in dem Moment nicht mehr als eigenständige Persönlichkeit gesehen wird, sondern als Teil von der Mutter, die zu sehr eingreift und das Kind lenkt.
Das ist aber nur eine Möglichkeit, es gibt ja viele Disharmoniemuster und Möglichkeiten. Es würde mich interessieren zu hören, wie es bei Ihrem Patienten weiter geht.
Schöne Grüße
L. Jansen
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Forumteilnehmer 07.09.2010 11:53
P.S.
die Nierengegen um Bl 23 ganz viel wärmen. Mit abends Kirschkernsäckchen auflegen. Kirschkerne gehören zur Phase Holz.
Diese schwachen Kinder werden oft von einem Arzt zum anderen geschleppt und verbringen die Kindheit viel in Wartezimmern und mit Therapien, Krankengymnastik etc. Dadurch bekommt die Mutter viel Aufmerksamkeit. Eine natürliche Bewegung an der frischen Luft, (Sonne auf der Haut erzeugt Vitamin D, was die Knochen stabilisiert, was aber nicht durch die Fensterscheibe funktioniert und nicht durch Vitamin D-Zusatz im Kinderquark) mit Fahrrad fahren, schwimmen und Federballspielen ist meiner Meinung nach eine natürliche Therapie.
Die Skoliose meiner Bekannten kam von alleine zum Stillstand, als sie alt genug war sich von der Überbehütung zu emanzipieren und flüchtete. Die Skoliose ist zwar noch minimal vorhanden, aber ist nicht fortgeschritten. Wir Menschen sind ja keine Maschinen. Wir wachsen nicht millimetergenau und grade, eher wie Bäume die auch mal krumm wachsen. Nicht jede Wirbelsäulenverbiegung ist eine echte Skoliose die fortschreitet und zu schlimmsten Verkrümmungen führt.
Schöne Grüße
L. Jansen
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