Forumteilnehmer 30.04.2010 09:49
Hallo, liebe Kollegen!
Seit Mitte Januar behandle ich einen 70jährigen Mann gegen Harninkontinenz nach Prostektomie (Nov. 2009). Laut schulmedizinischer Untersuchungen liegen keine Schädigungen des nervalen und muskulären Blasensystems vor - die Operation sei sehr "schonend" gewesen.
Als er zu mir kam, nässte er tags und nachts ein ohne jeglichen Harndrang. Seine Lebensqualität ist extrem eingeschränkt.
Im Laufe der Akupunkturbehandlung (Bl23, LG4, Bl28, Bl39, Ni3, KG4, Ma36, MP6 und Di4+Di11, Le2 sowie Narbenentstörung Unterbauch + Dauernadeln am Ohr) stellte sich die Enuresis notcurna ein und er ist mittlerweile nachts mit wenigen Ausnahmen (ca. alle 2 Wochen) trocken. Er schläft jetzt auch durch, vor der Behandlung wachte er 1-2 Mal nachts wg. Nykturie auf.
Leider hat sich tagsüber kaum etwas geändert: Er spürt nicht, dass er auf die Toilette muss und läuft quasi "über". Besonders schlimm ist es in ruhigen Momenten: wenn er einfach nur sitzt oder steht, solange er aktiv ist, passiere nichts. In den letzten drei Wochen bemerkte er nur ein geringer Werden der abgehenden Harnmenge.
Seit Beginn der Behandlung cremt er die OP-Narbenregion mit APM-Creme ein, macht diszipliniert und regelmäßig seine Beckenbodenübungen. Seit 10 Tagen nimmt er zusätzlich Petroselinum D2 3x10 Globuli, hiermit ginge die Harnmenge weiterhin (gering) zurück. Aber das Gefühl für den Toilettengang fehlt nach wie vor. Ich hatte ihm auch eine hitze- und schleimreduzierte Ernährung angeraten.
Stuhl: eher flüssig, nach Fleischgenuss starker Geruch, seit Operation zweimal täglich. Urin: natürlich hell bis klar, trotz geringer Trinkmenge (wg. Angst vor Einnässen).
Der Zungenbefund war bei der letzten Untersuchung folgender: normale Zungenfarbe, trocken, stark zerfurchter Zungenkörper, hinterer Zungenbereich wenig schleimiger Belag (war anfangs auf der gesamten Zunge und gelblich zu finden). Puls: erhöhter Pulsschlag, voll, an jeder Position gut tastbar. (anfangs war die Nierenposition nicht tastbar).
Meine TCM-Diagnose lautet Schleim-Hitze attackiert die Blase.
Wie kann ich mein Konzept ändern, um die Enuresis diurna positiv zu beeinflussen?
Vielen Dank im Voraus!
Grüße, C.D.
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Forumteilnehmer 30.04.2010 10:21
Hallo liebe Kollegin, ich erkenne dazu MP-Qi-Schwäche/ Ni-Qi-Mangel- Mangelnde Festigkeit des Ni- Qi- Moxa KG 4,MP6 und Bl23, dazu Gua Sha Fa komplett von Bl10 bis über die ISG-Hüftbereiche. Natürlich weiter das Muster behandeln. Geben Sie zusätzlich einen Tee aus: Flor. Millefolii 20g, Fol quercus 20,g,Hb. Agrimoniae 20g, Fruct. Tribuli terr. 30g, Hb. Hyperici 20g und Fruct. Sabalis serr.cont. 30g. Sollte Hyperici kontraind. sein, dann auf Melisse ausweichen. Viel ERfolg und Grüße- Kira Schwarzrock
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Forumteilnehmer 30.04.2010 11:55
Hallo, mir fällt dazu noch Folgendes ein. Da die Zunge nicht rot ist, erkenne ich auch eher keine Hitzezeichen. Die Risse auf der Zunge weisen aber auf Trockenheit hin. Trockenheit ohne Hitze ist dann wohl eher ein Flüssigkeitsmangel, er trinkt ja auch wenig und verliert ständig unkontrolliert das Wasser wieder. Hierzu fällt mir ein, "die Niere hält das Wasser nicht", auch ein Lehrsatz, fragt mich nicht woher genau, haben wir im Unterricht oft gehört. Hier sollte das Nieren Yin und Yang gestärkt werden, die Ni-Punkte stärken ja glaube ich so gut wie immer Ni-Yin und Yang gleichzeitig. Moxen könnte evtl eher noch mehr austrocknen, also dann eher kontraindiziert? Die Niere sollte supported werden, Wärme kann man hier auch mit Kirschkernkissen abens auf die Nieren gelegt zuführen. Und warme Bäder, dies wärmt die Niere und führt auch Feuchtigkeit über die Haut zu, die das Wasser druch die Poren auch aufnehmen kann (eigene Erfahrung, da nach dem Baden trotz trockener Haare mehr Gewicht. Die Niere stärken auch durch entsprechende Lebensmittel, bitte selbst nachlesen welche das sind.
MfG L. Jansen
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Forumteilnehmer 01.05.2010 11:34
Liebe Kollegen, vielen Dank für Ihre konstruktiven Tipps! Noch kurz dazu, warum ich so auf die Hitzesymptomatik eingegangen bin: sie war am Anfang sehr präsent, hat sich erst vor 2-3 Wochen zu diesem aktuellen Befund verändert.
An Gua Sha Fa hat ich auch schon gedacht und werde mein Konzept jetzt dementsprechend abändern und auch den Tee mit dazunehmen. Ebenso Qi und Yang entsprechend stärken.
Und zu der Geduld ... :-) ... das ist natürlich immer so eine Sache. Aber ich da sich in den letzten Wochen schon einiges zum Positiven geändert hatte (v. a. nachts und in der Harnmenge),
werde ich das meinem Patienten erklären können.
Viele Grüße, C.D.
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